Dr. Eberhard Schnelle

 
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Anmerkungen zu COVID-19

Entwicklung der SARS-CoV-2-Infektionen

Die Delta-Variante des SARS-CoV-2-Virus zeigt ihr hohes Anteckungsvermögen. Die 4. Welle hat am 1. Juli 21 begonnen

Seit diesem Tag hat sich die Entwicklung der Neuansteckungen mit dem Virus geändert. Der zahlenmäßige Rückgang endete in einer kurzer Stagnation. Bereits am 5. Juli war wieder ein deutlicher Anstieg festzustellen und zwar mit einem exponentiellen Verlauf!
Die folgende Kurve zeigt diesen Umstand sehr deutlich.
Im Gegensatz zu früheren Überlegungen zur "Herdenimmunität" bei etwa 60 Prozent zweimal geimpfter Personen - wir liegen ja mit den Impfungen schon oberhalb dieser Zahl - erkennt man am Ansieg der 4. Welle, dass mit der Zahl der Ungeimpften das Potential für das erneute exponentielle Wachstum ausreichend gegeben war und ist.
Seit dem 1. September verlangsamte sich die Zunahme der Neuinfektionen. Danach war sogar ein erfreulicher Rückgang zu verzeichnen. Leider hielt dieser Trend nicht lange an. Nun geht es wieder aufwärts in der 4. Welle. Für die können nicht die Reiserückkehrer verantwortlich gemacht werden. Die Zunahme ist eindeutig hausgemacht.





Deutlicher sind die Trends der Zahl der Neuinfektionen in der logarithmischen Darstellung der selben Kurve zu erkennen.




Die Steilheit der Kurve gibt die Wachstumsgeschwindigkeit der Epidemie wieder. Betrachten wir die 4 Wellen, dann sehen wir:
die 1. Welle stieg sehr steil,
die 2. Welle stieg anfangs mittel steil, ab Oktober 2020 sehr steil,
die 3. Welle stieg eher gering steil,
die 4. Welle steigt wieder sehr steil, flacht aber seit dem 1. September deutlich ab.

Allerdings sind alle weiteren Zahlen (z.B. schwere Verläufe, Sterberate) noch sehr niedrig und betreffen fast nur Ungeimpfte. Und das ist gut so. Denn wir haben Impfstoff im Überfluss und geben den sogar an andere Länder ab. Wer sich jetzt nicht impfen lässt, ist selbst schuld.

Hier muss daran erinnert werden, dass die Zahlen (Daten) ja immer etwa 12 Tage alt sind. Es gibt keinen Grund, warum die Entwicklung nicht in der selben Richtung weitergegangen ist. Die jeweils "heutigen" Zahlen liegen in Wirklichkeit schon viel höher!

Im folgenden Diagramm ist die Entwicklung der Zahl der aktuell Covid-19-Kranken (seitens der Medien als "Corona-Kranke" bezeichnet) mit dem erwähnten Zuschlag für die Dunkelziffer wiedergegeben.





Die Covid-19-Krankheit dauert, wie schon ausgeführt, etwa 18 Tage, bei schweren Verläufen mit Krankenhausaufenthalt auch bis zu 7 Wochen. Dementsprechend reagiert die Kurve verzögert auf zu- oder abnehmende Infektionszahlen. Dennoch sehen wir in der 4. Welle eine exponentielle Zunahme der Zahl der Kranken.
Da aber vorwiegend jüngere Personen betroffen sind, deren Schwere der Krankheit geringer ist, ergibt sich eine Entlastung der Krankenhäuser.


Dieselbe Kurve der COVID-19-Kranken ist im nächsten Diagramm, in logarithmischer Darstellung (rote Kurve) wiedergegeben. Eine logarithmische Darstellung erlaubt es, Kurven unterschiedlicher Höhe (hier die hohe Zahl der Kranken und die niedrige Zahl der Verstorbenen) zu vergleichen.
Zusätzlich sind acht schwarz gezeichnete gerade Näherungslinien enthalten.
Gerade Linien weisen in logarithmischer Darstellung auf exponentielles Wachstum (positives oder negatives) hin.

Wir erkennen also an den geraden Linien, ob und wann die Zahl der Covid-19-Kranken exponentiell zunahm (also in täglich größeren Schritten) oder exponentiell abnahm (also in täglich kleineren Schritten).
Die zweite Kurve zeigt uns die Zahl der täglich Verstorbenen einschließlich des Mittelwerts.





Was erkennen wir aus dem Vergleich beider Kurven?
Die ersten Höhepunkte beider Kurven lagen (rot) am 8.4. und am (blau) 22.4.2020. Der zeitliche Abstand der Höhepunkte zwischen den Krankmeldungen und den Todesmeldungen betrug etwa 14 Tage.
Der Beginn des dritten exponentiellen Anstiegs lag am 1.3.2021, bei den Verstorbenen am 4.4., also 54 Tage später. Die Zeitspanne dehnte sich um 40 Tage.
Das geht auf mindestens zwei Effekte zurück: Die Erhöhung der Zahl der Tests lässt uns im Mittel Infizierte früher erkennen. Somit verschiebt sich den Tag der RKI-Meldung vom angenommen 12. Tag auf z.B. den 8. Tag (Vermutung). Wichtiger ist aber der Erfolg der medizinischen Behandlung. Die Kranken sterben nicht mehr etwa 14 Tage nach der Einlieferung ins Krankenhaus, sondern werden deutlich länger (bis über 40 Tage) behandelt, bevor es (durchschnittlich bei der Hälfte der Intensivpatienten) zum Tod kommt.
Die bedrohliche Folge dieser Entwicklung ist, dass die lange Liegedauer bereits bei einer geringeren Zahl Covid-19-Kranker (wie im April 21) die Intensivstationen überlasten lässt.

Wir können erkennen, dass der Verlauf der Zahl der Verstorbenen also grundsätzlich dem der Zahl der Infizierten folgt. Eine weitergehende Analyse des Zusammenhangs erfolgt auf Seite "Verstorbene".

Verglichen zu der frühen Phase der Covid-Pandemie liegen die aktuellen Zahlen der täglichen Infektionen langsam auf dem Niveau früheren Infektionswellen.
Betrachten wir die Gesamtentwicklung von Anfang an: Der steile Anstieg in Oktober und November 2020 war ein Beleg für die Sorglosigkeit, aber auch die Dämlichkeit weiter Bevölkerungskreise. Wie man erkennt, fand zwar Dank der massiven Beschränkungen um Weihnachten eine Trendumkehr statt.

Nach Weihnachten war ein eindeutiger Abwärtstrend zu erkennen. Der kurze Anstieg ab dem 8. Januar war die Folge der Nachmeldungen der um den Jahreswechsel unvollständig erfassten bzw. gemeldeten Neuinfektionen.
Seit etwa Mitte Februar wurde der Abwärtstrend gebrochen. Wie schon ausgeführt, sehe ich hier sowohl den Einfluss der sogenannten Englischen Virus-Mutante, als auch die höhere Entdeckungsrate von Covid-19-Kranken durch den seit dieser Zeit stark ausgeweiteten Einsatz von Schnell- und Selbsttests.

Obwohl bis Anfang August 2021 mehr als die Hälfte der Bevölkerung zweimal geimpft wurde und weitere 5% immun durch eine Covid-Infektion geworden sind, müssen wir wieder exponentielles Wachstum der Zahl der Neuinfizierten feststellen. Seit dem 22. August 21 sehen wir auch die starke Zunahme von an Covid Gestorbenen.

Mein Resümee:
Ein Rückblick auf den Gesamtverlauf der Zahl der Infektionen zeigt, dass wir von der einst beschworenen informierten Gesellschaft (Steinbuch) weit entfernt sind. Das Gegenteil ist der Fall. Die Pandemie zeigt uns, ein Teil des Volkes ist uneinsichtig, unintelligent und begreift die wesentlichen Zusammenhänge nicht.

Wie komme ich zu einem so vernichtenden Urteil?
Eigentlich müsste doch ein einmaliger deutlicher Hinweis der Kanzlerin auf die Folgen einer Epidemie ausreichen, das einsichtige und intelligente Menschen verantwortungsbewusst richtig handeln. Stattdessen brauchten wir Verbote und tägliche andauernde Berichte in den Medien, die nicht einmal das notwendigste Handeln vieler Menschen bewirkten. Anders ist ja das Infektionsgeschehen nicht zu erklären. Wie kann es zu einer vierten Welle kommen? Müssten nicht die vorangegangenen Wellen mit zehntausenden Toten ausreichen, Erkenntnis zu gewinnen? Offensichtlich nicht.

Leider waren die angeordneten Maßnahmen der Regierungen auch nicht von Intelligenz geprägt. Statt eines differenzierenden Krisenmanagements von Experten, die Größtprojekte steuern können, hört man auf eine Ethikkommission, die nichts zur Bewältigung der Epidemie beitrug. Die Probleme entstanden nicht aus den Fehlern (z.B. Bestellmengen der Impfstoffe), die gemacht wurden. Das ist bei solchen Maßnahmen unvermeidlich. Das Problem war die nicht erkennbare konsequente Steuerung des Kampfes gegen die Epidemie.

Der Beitrag der Medien war leider auch negativ zu beurteilen. Nach dem Motto "only bad news are good news" wurde über die Pandemie berichtet. Soweit Pressealltag und Volksbedarf. Leider wurde aber auch permanent unser föderales System infrage gestellt, zentrale Lösungen gefordert und die Verletzungen der im Grundgesetz verankerten Rechte des Einzelnen hingenommen, statt sich dafür einzusetzen. Das klingt alles nach sozialistischer Denkart, nach Zentralismus und Unwichtigkeit der Menschenrechte, nach DDR 2.0. Das ist übertrieben, aber ohne solche Provokationen denkt bei uns ja niemend mehr nach!

Die Reaktion des Volkes auf die Impfkampagne weist auf ein weiteres Problem hin: der Ruf nach nationalen Lösungen. Statt weltweiter Solidarität erlebten wir den Rückfall in überwunden geglaubten Nationalismus (warum haben wir in unserem Land nicht mehr Impfstoff, egal was die Anderen bekommen). Aber niemand regt sich auf und das regt mich auf!

 

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